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Jahrespressekonferenz 2019 – Schlachtverbot für hochträchtige Rinder

10.12.2019 Die Schlachtung hochträchtiger Rinder beschäftigt seit geraumer Zeit sowohl die Überwachungsbehörden als auch die Fleischwirtschaft. Vor diesem Hintergrund wurden seit April 2015 in bayerischen Schlachtbetrieben die Daten von Rindern, die im dritten Trächtigkeitsdrittel der Schlachtung zur Schlachtung angeliefert wurden, systematisch erfasst und für das Wohlbefinden der Tiere relevante Befunde an die beteiligten Lebensmittelunternehmen, d.h. an den Schlachtbetrieb und Herkunftsbetrieb zurückgemeldet.

Gemäß veterinärmedizinischer Literatur kann man davon ausgehen, dass sich das Rind im letzten Drittel der Trächtigkeit befindet, wenn der Fetus größer als 50cm ist. Weist der Fetus eine Scheitel-Steiß Länge größer 80cm auf, ist mehr als 90% der Trächtigkeit vergangen. Ab diesem Stadium gilt eine hochträchtige Kuh als nicht mehr transportfähig.

Mit dem Inkrafttreten des Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz ist es seit 01.09.2017 gesetzlich verboten, eine Kuh, die sich im letzten Drittel der Trächtigkeit befindet, zum Zweck der Schlachtung abzugeben. Das Verbot gilt nicht, wenn die Tötung eines solchen Tieres nach tierseuchenrechtlichen Bestimmungen vorgeschrieben oder angeordnet worden ist oder im Einzelfall nach tierärztlicher Indikation geboten ist und Gründe des Tierschutzes einer Abgabe zur Schlachtung nicht entgegenstehen.

Eine tierärztliche Indikation wäre nur dann gegeben, wenn ein Tierarzt feststellt, dass sich das Muttertier in einem Zustand befindet, der als tiermedizinische Maßnahme dessen Tötung erforderlich macht. Statt der Euthanasie ist eine Abgabe zur Schlachtung dann zulässig, wenn hierdurch dem Tier aufgrund seines Zustandes keine zusätzlichen Schmerzen oder Leiden zugefügt werden und abzusehen ist, dass der Zustand des zu schlachtendenden Tieres die fleischhygienerechtlichen Voraussetzungen für eine Schlachtung erfüllt.

Der Tierarzt hat dem Tierhalter in diesem Fall eine Bescheinigung auszuhändigen, die vom Tierhalter mindestens drei Jahre aufzubewahren ist. Aus der Bescheinigung muss hervorgehen, weshalb die Tötung des Tieres erforderlich ist, und dass dem Tier die Abgabe zur Schlachtung zumutbar ist. Wirtschaftliche Gründe, wie etwa eine Zitzenverletzung, die sich ohne Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes der Kühe lediglich negativ auf die Melkbarkeit auswirkt, oder eine Bestandsauflösung stellen keine tierärztliche Indikation in diesem Sinne dar.

Der Landwirt hat sich zu vergewissern, dass die Kuh nicht hochträchtig war und gegebenenfalls seine diesbezüglich ergriffenen Maßnahmen glaubhaft darzulegen. Dies kann zum Beispiel durch eine dem Tier eindeutig zuzuordnende Bescheinigung über eine negative Trächtigkeitsuntersuchung durch eine Fachkraft oder einen entsprechend zugelassenen Milch- bzw. Bluttest erfolgen.

Seit Beginn der Datenerfassung werden dem Veterinäramt jährlich durchschnittlich zwanzig Fälle von Schlachtungen hochträchtiger Rinder mitgeteilt, die aus dem Landkreis Erding stammen. Bei Verstößen gegen das Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz werden vom hiesigen Vollzug entsprechende verwaltungsrechtliche Maßnahmen eingeleitet und in der Folge Bußgelder verhängt.

Kategorien: Veterinäramt, Landkreis, Landratsamt Erding, Öffentliche Sicherheit, Jahrespressekonferenz